Mehr über mich

Geboren wurde ich, Regina, in Berlin- Friedrichshain. Meine Ausbildung zum Diplom- Ingenieur an der Sektion Nahrungsgüterwirtschaft/ Lebensmitteltechnologie der Humboldt- Universität schloss ich 1984 ab, damals schon verheiratete Mutter einer 4- jährigen Tochter. Für Schwangerschaftsurlaub und Geburt meines Kindes gleich im ersten Studienjahr gab es vom Staat, der vor die Zulassung zum Studium einige Hürden setzte und das Studium bezahlte, EIN Semester Studienverlängerung. Damals war ein Leben als „ewiger Student“ nicht möglich, das beförderte eine effektive methodische Lernarbeit. Gefeiert haben wir natürlich auch, und das nicht zu knapp. Absolventen wurden eingesetzt als Technologen, Leiter der Qualitätskontrolle in Lebensmittelbetrieben, Lebensmittel- Kontrolleure des staatlichen Gesundheitsamtes oder Leiter von Lebensmittel- Betrieben. Zur Ausbildung gehörte neben der Technologie auch die betriebswirtschaftliche Ausbildung sowie Fachseminare angewandte Leitungspsychologie, denn als guter Chef sollte man seine Mitarbeiter auch gut motivieren können.

Jeder Absolvent sollte die Kosten seiner Ausbildung wieder einspielen und wurde demzufolge qualifiziert vermittelt. Zu den Betrieben wurde vor oder während des Studiums schon Beziehungen geknüpft in Form von Praktika als Verbindung von Theorie mit der tatsächlichen Praxis. Ich arbeitete als Technologe und wissenschaftliche Mitarbeiterin sowie als Beauftragte für die praktische Ausbildung der Abiturienten in meinem Betrieb, heute Unternehmen genannt. Damals setzte man bei Hochschulgebildeten voraus, dass sie sich in nahezu jedes erdenkliche, diesen Abschluss fordernde Tätigkeitsfeld einarbeiten können. Früher ehrenamtlicher Jugendklubmitarbeiter, wurde ich für 3 Jahre“ausgeliehen“ als Jugendclubleiter und hatte ein Bein im Jugendklub,eines im Betrieb und das dritte zu Haus bei meiner Familie. Die von uns“ Studierten“ geforderte Flexibilität half mir sehr, in der neuen Gesellschaftsordnung rasch Fuss zu fassen. Dazu noch eine andere, aus dem Mangel geborene Fähigkeit, ein gewisser Erfindungsreichtum, beschrieben mit dem Satz: „Man muss sich nur zu helfen wissen“..

Bereits 1990, noch mit Mark ín der Hand, wurde ich selbständige Lebensmittel-Produzentin, erlebte den Umtausch von Mark in D- Mark, von D- Mark in Euro bei laufendem Geschäftsbetrieb.

Ah ja, eine Ostlerin, werdet Ihr, werden Sie sagen. Bitte bleibt, bleiben Sie bei mir, ich setze noch eins drauf: Heute lebe ich im schönen Land Brandenburg, an der Stadtgrenze zu Berlin. Hier herrscht ein gutes Klima für Denkende, für Ausflügler, für Urlauber und für Ruheständler, Jeder Einwohner hat im Gegensatz zu einem deutschen Hähnchen aus Massentierhaltung mehr als ein A4- Blatt Platz zum Leben und viel Grün um sich herum. Gut, es könnte sein, dass nach Aussage eines neuen Deutschpoeten die einzige Kneipe im Dorf gerade geschlossen hat und man sich sein Essen als Ausflügler lieber aus Berlin mitbringt, es könnte sein, dass es provinziell mieft und irgendwo ein Hund begraben liegt. Auf jeden Fall aber stimmt es, dass nicht jede kleine Gasse bereits ausgelegt ist für das bequeme Passieren eines tiefergelegten KFZ und dass brandenburgische Alleen zwar schön grün, aber auch sehr gefährlich sind, weil die Bäume noch nicht wissen, dass sie manchmal zu dicht am Straßenrand stehen und die Autos auf jeden Fall wichtiger sind als sie. Wer sich aber mit diesen im Moment noch vorhandenen kleinen Einschränkungen seiner persönlichen Freiheit notgedrungen arrangiert, ist binnen kurzer Zeit in wunderschöner Natur und kann wandern, radfahren, skaten, schwimmen oder einfach nur- Luft holen.

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4 Antworten zu Mehr über mich

  1. philipp johannes schreibt:

    dankeschön regina,
    besonderen dank für den bezug zur massentierhaltung ( nicht nur von hühnern );
    ein ebenso notwendiges dramatisches anliegen einer humanen gesellschaft dies abzuschaffen.

    • Regina Drescher schreibt:

      bitteschön, Lieber Philipp Johannes, ich freu mich, dass Du „Mehr über mich“ erfahren wolltest. Die anderen wichtigen Themen der Veränderung unserer Gesellschaft rücken im Moment zugunsten des ESM-Vertrages etwas in den Hintergrund, das heißt aber nicht, sie sind aus dem Blickfeld. Ich versuche auch, die Artikel der vergangenen Monate wieder zugänglich zu machen, da ist einiges zum Thema Umwelt dabei, zum Beispiel auch die Gefährdung des Europäischen Vogelschutzgebietes Rangsdorfer See durch die neuen Flugrouten.

    • Blessing schreibt:

      Thee’rs nothing like the relief of finding what you’re looking for.

  2. mekorr schreibt:

    Als Mensch tut es mir gut, solche persönlichen und identitätsoffenen Seiten noch zu finden. Doch als gebranntes Kind mache ich mir in unserer zunehmend diktatorischeren Welt zugleich Sorgen um Zukunft und Wohlergehen von Menschen wie Dir, Regina. Besonders, wenn ich an die religiösen Fanatiker mit Alleinherrschungsanspruch denke.

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