Griechenlandrettung ja- aber Staatspleite von Zypern wäre für Eurozone verkraftbar

Griechenlandrettung2

Liebe Leser, viele fragen sich:

Warum ist Zypern als kleines Land mit einem chronischen Haushaltsdefizit in die EU aufgenommen worden?

Nun, die Antwort gibt uns Yasen Iliev, Investmentbanker des Beratungsunternehmens New Europe Corporate Advisory, in Sofia. Zitat aus einem Artikel der Deutschen Wirtschafts- Nachrichten online(1):

„EZB wusste von Geldwäsche in Zypern schon vor dem EU-Beitritt

Die EZB wusste von den russischen Milliarden in Zypern – und zwar bereits ein Jahr vor dem EU-Beitritt des Landes. Der EU-Beitritt Zyperns wurde dennoch vorangetrieben. Denn das internationale Finanzsystem ist ein Schneeballsystem, in dem jeder Neuzugang willkommen ist. Der Euro dient als riesige Waschmaschine – solange keiner den Strom abdreht.

Einer der Gründe, warum Zypern nun in die Knie gezwungen werden müsse, sei das gigantische Problem der Geldwäsche. Die Klage über die Mißstände wird von allen geführt, vor allem von den Rettern: EU, EZB und IWF werden nicht müde zu betonen, dass es nicht gegen die kleinen Leute gehen, sondern gegen die großen Geldwäscher. Im europäischen Volksmund werden sie russische Oligarchen genannt.

Eine Überraschung?

Mitnichten. Denn nun stellt sich heraus: Die Europäische Zentralbank war über das Geldwäsche-Problem seit langem im Bilde. Im Grunde wussten die Währungshüter alles – und zwar schon vor dem EU-Beitritt der Mittelmeer-Insel.

2007 erwähnt der Konvergenzbericht (2) der EZB großen Kapitalzustrom nach Zypern. „In den Jahren 2004 bis 2006 kamen viele der Gelder, die das zypriotische Leistungsbilanzdefizit finanzierten, aus Kapitalzuströmen, bestehend aus ausländischen Einlagen und Krediten“, so der Report.

Diese „fremden Investitionen“ betrugen beträchtliche 11,3 Prozent des BIP im Jahr 2006. Diese Kapitalzuflüsse hätten das Leistungsbilanzdefizit zwischen 2004 und 2006 sogar überstiegen, so dass Zypern in dieser Zeit weitere Währungsreserven anhäufen konnte.

Eine auf der EZB-Website veröffentlichte Datentabelle zeigt, dass 2011 ausländische Einlagen in Zypern mit 19,2 Milliarden Euro einen Höchststand erreichten (siehe Grafik). Die ausländischen Gelder überstiegen sogar die Wirtschaftskraft Zyperns um eine Milliarde Euro.“

Damit war Zypern systemrelevant, denn finanzstrategische Mittel und Methoden, an die ausländischen Einlagen, und somit an frisches Geld zu kommen, gibt es genug. Nun haben wir eine zypriotische Bankenpleite, die natürlich das ausländische Kapital nicht betrifft, erbringt der zypriotische Staat in Form der Zypriotischen Zentralbank den von der EZB geforderten Eigenanteil von 5,8 Milliarden Euro, ist auch der zypriotische Staat bankrott. Eine Zwangsabgabe auf höhere Bankguthaben wurde vom Parlament abgelehnt, daraufhin zugesagte 10 Milliarden Euro an Hilfe der EZB aus dem Europäischen Rettungsfonds auf Eis gelegt. Nun spielen EZB und Zypern ein Poker-Spiel.

Zypern möchte den geforderten Eigenanteil von 5,8 Milliarden Euro herunterhandeln, und fragt daher Russland um Hilfe, denn DAS wiederum kann der EU nicht recht sein. Zypern hat große Erdgasvorkommen, diese Herrn Putin zur Ausbeutung zu überlassen, entweder durch den Staatskonzern „Rosneft“ oder den Konkurrenten „Gazprom“, wäre unklug. Gazprom ist interessiert, eine marode zypriotische Bank  aufzukaufen und dafür die Förderrechte für Erdgas zu bekommen. Dann hätte Russland quasi einen Fuß in der Tür, hätte an Macht und Einfluss in EU-Gebiet gewonnen und die EU müsste zur Versorgung der EU-Mitgliedsländer teilweise Erdgas von  Russland erwerben. Zitat aus (1):

„Zypern in die Eurozone zu lassen, hätte weniger mit Wirtschaftslehre als Politik zu tun, argumentiert Peter De Keyzer, Chef-Ökonom der Bank BNP Paribas in Brüssel. De Keyzer ist erstaunt, dass nach dem Fiasko in Zypern nächstes Jahr auch Lettland der Eurozone beitreten soll. „Bei allem nötigen Respekt für das, was sie erleben mussten und erreicht haben – das ist erneut eine politische Entscheidung die nichts mit Wirtschaftslehre zu tun hat.“

Warum aber haben EZB und EU den Beitritt dann nicht verhindert? Warum haben sie nicht viel früher reagiert?

Die Erklärung liegt in der Natur der Sache:

Das internationale Finanzsystem ist zu einem globalen Schneeball-System entartet.

Zu einem solchen System gehört wesentlich, dass immer neue Gelder in den Topf fließen, damit die alten Spieler ausbezahlt werden können.

Je mehr neue Mitglieder, desto unübersichtlicher und damit unkontrollierbarer wird das Spiel. Die Komplexität steigt mit jedem neuen Mitglied im selben Maß, wie die Transparenz geringer wird.

Es ist wesentlich für das Euro-System , dass es immer weiter wächst. Wenn es zu wuchern beginnt wie ein Krebs-Geschwür, haben die Spieler vom Finanz-Kasino längst kassiert.

Es mag ja durchaus sein, dass es in der EU auch einige Gutgläubige gibt, die tatsächlich der Meinung sind, dass ein EU-Beitritt für jeden Kandidaten den Himmel auf der Erde bedeutet.

Paradiesische Zustände bedeutet das unkontrollierbare Wachsen allerdings nur für die Finanzindustrie….Sie bekommen immer neue Assets ( Kapital, Vermögen) in die Hände, um neue Asset Backed Securities (ABS) auf den Markt zu werfen  …“   (Erläuterung siehe (3), durch den Verkauf der offenen Forderungen erhalten die Unternehmen liquide Mittel und geben die erzielbaren Zinsen, aber auch das Risiko des Zahlungsausfalls an den Käufer weiter)

Jörg Asmussen, heute EZB-Außenminister, ist der Meister der ABS. Er ist der Mann, nach dessen Pfeife Europa tanzt (hier).

Ob die Assets nun serbische Stahlwerke, slowenische Bauernhöfe oder lettische Banken sind, ist gleichgültig.

Am Ende des Spiels steht dann der Bailout, oder, wie in Zypern, der Bail-In: Die Steuerzahler in Europa zahlen die End-Abrechnung.

Damit wenigstens die Endabrechnung nicht zu kompliziert wird, hat das Kasino eine einheitliche Währung ausgegeben:

Der Euro ist für die einen das Spielgeld. Für die kleinen Leute wird er dagegen immer mehr zum Alptraum.“

Gut informierte Kreise haben natürlich vor der verfügten Geldtransaktionssperre zur Verhinderung des Kapitalabflusses ins Ausland ihr Schäfchen ins Trockene gebracht.(4)

Stolze Türkei, möchtest Du beim globalen Schneballsystem  mitmachen und dafür sorgen, dass die anderen Spieler des Finanzkasinos Dein erarbeitetes Geld kassieren können? Dann komm in die EU.

(1) http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/03/23/ezb-wusste-von-geldwaesche-in-zypern/

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Über Regina Drescher

Absolventin der Humboldt- Universität Berlin 1984 als Diplom-Ingenieurin. Ausbildung als Betriebsleiter. Ein Semester angewandte Psychologie. Erfahrung als Sozialarbeiterin, Bereich Jugendclubs. Ausgestattet mit rationalem Denkvermögen und emotionalen Eigenschaften. Dies ermöglicht mir eine gewisse soziale Kompetenz und Liebe zur Natur, den respektvollen Umgang mit ihr und den Wunsch nach Schutz vor weiterer Zerstörung des Menschen für alle Lebewesen.
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  1. Pingback: Die Blogosphäre über Zypern – Pascal Wiederkehr

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