Es gibt keine Masterplan für eine Euro-Rettung- die harten Fakten der Finanzanalysten

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Analyst of EWI

Liebe Leser, wen interessiert Demokratieverlust? Lassen wir den rationalen Finanzanalysten zu Wort kommen: Im Gespräch mit Brian Whitmer: Es gibt keinen Masterplan für eine Euro-Rettung

Brian Whitmer is editor of The European Financial Forecast and contributes the European stock section of Global Market Perspective. He received a degree in civil engineering from the University of Maryland and has served as a designer, planner, and project manager for $100-million-plus civil and residential developments. After receiving his MBA from Georgia Southern University, Brian joined Elliott Wave International in 2009. Brian’s analysis and forecasts are quoted in European media outlets and he has been interviewed by notable U.S. media including Yahoo! Finance and Fortune.(1)

Artikel: Im Gespräch mit Brian Whitmer: Es gibt keinen Masterplan für eine Euro-Rettung von „Wirtschaftsfacts.de“  Juni 26, 2012(2)

„In unserem letzten Interview mit Brian Whitmer, Finanzanalyst und Herausgeber des The European Financial Forecast, wurde darauf hingewiesen, dass der Euro die riskanteste unter allen Papierwährungen sei. Diese Prognose scheint aus heutiger Sicht voll ins Schwarze getroffen zu haben. Für uns ein Grund, um Brian zu einem neuen Gespräch zu bitten, für dessen Ausführlichkeit wir uns bei ihm bedanken möchten.

Interview

wirtschaftsfacts.de: Hallo Brian. Als wir uns das letzte Mal unterhielten, stellten Sie die Prognose an, dass der Euro die schwächste unter allen Papierwährungen ist. Haben Sie eine Kristallkugel?

Brian Whitmer: Danke für die netten Worte, aber nein, über eine Kristallkugel verfüge ich leider nicht. Meine damalige Prognose basierte auf etwas, was wir als abgeschlossenes Wellenmuster einer Gegenbewegung an Europas Aktienmärkten identifizierten.

Gleichzeitig ließ sich während jeden Einbruchs an den Aktienmärkten seit dem Jahr 2008 beobachten, dass Investoren bereits vor dem einsetzenden Abschwung Euros in US-Dollars umschichteten.

Meine damalige Prognose in Bezug auf einen tendenziell schwachen Euro war demnach also gar nicht so schwer. Aber sagen Sie es bitte niemandem weiter.

wirtschaftsfacts.de: Nein, werden wir nicht, versprochen. Die Brüsseler EU-Führung scheint von Deutschland zu erwarten, die ausstehenden Rechnungen der Südländer der Eurozone zu begleichen. Ist ein solcher Plan nicht auf Sand gebaut und haben diese Forderungen überhaupt irgendwelche Zukunftsaussichten?

Brian Whitmer: Nein, sicher haben solche Pläne keine Zukunftsaussichten, ganz einfach schon deshalb nicht, weil der Bärenmarkt über solche Pläne radikal hinweg trampeln wird.

Aber lassen Sie uns eingangs ein wenig auf die Voraussetzungen zu unseren Prognosen eingehen. Unser wichtigstes Prognose- und Analyseinstrument basiert auf dem Wellenprinzip nach Elliott Wave.

Dieses Modell beruht auf der Annahme, dass die Finanzmärkte externe Ereignisse ignorieren und sich stattdessen im Einklang mit der in der Gesellschaft herrschenden Stimmung bewegen. Ein unmittelbar ableitbares Resultat aus dem Wellenmodell ist, dass selbst die mächtigsten Regierungen dieser Erde machtlos sind gegen den vorherrschenden Trend an den Märkten.

Genau aus diesem Grunde wird Europas nächster groß angekündigte Masterplan zur Eindämmung der Euro-Krise – egal ob er aus der Feder Brüssels, Berlins oder sonst irgendeiner Institution entspringt – weder eine Zukunft auf Erfolg, noch irgendwelche Auswirkungen auf die Richtungsentscheidung an den Märkten haben.

wirtschaftsfacts.de: Frankreichs neue sozialistische Regierung und die Mitgliedsstaaten der Eurozonen-Südschiene versuchen Deutschland zu einer zukünftigen Vergemeinschaftung von Schulden zu drängen. Dahingehend soll es zu einer Emission von Eurobonds kommen. Was halten Sie davon?

Brian Whitmer: Ich bin der Ansicht, dass es nicht richtig ist, in diesem Kontext von Drängen oder aufkommendem Druck zu sprechen. Der deutsche Bundestag votierte mit 496 zu 90 Stimmen für eine Genehmigung zu einem zweiten Bailout für Griechenland. Und dies trotz der Tatsache, dass sich eine große Mehrheit in der deutschen Bevölkerung gegen weitere Rettungsaktionen aussprach.

Es spielt doch überhaupt keine Rolle, wie belastend sich diese Bailouts auf die deutschen Steuerzahler auswirken. Fest steht doch, dass Deutschlands Politiker bis zum heutigen Tage jedes auf EU-Ebene beschlossene Rettungspaket mit großer Mehrheit durch den Bundestag gewunken und zu dessen Umsetzung beigetragen haben.

Lassen Sie mich dazu eines klarstellen: Deutschland ist finanziell nicht dazu in der Lage, alle faulen Schulden in Europa zu absorbieren und auf die eigene Kappe zu nehmen. In der Zukunft dürfte es zu einer Abwahl von Politikern kommen, die das versuchen wollen.

wirtschaftsfacts.de: Wie sollten sich Anleger jetzt verhalten, nachdem die Probleme der europäischen Gemeinschaftswährung für jedermann immer offensichtlicher zutage treten?

Brian Whitmer: Bevor ich auf diese Frage eingehe, möchte ich kurz Revue passieren lassen, was bislang geschehen ist. Seit dem Jahr 2007 haben die Bank of England und die Europäische Zentralbank – unter Anleitung der EU-Kommission und des Internationalen Währungsfonds – ihren Leitzins auf nahe 0% gesenkt.

Darüber hinaus kam es zur Inthronisierung von in dieser Größenordnung niemals zuvor gesehenen Bailoutvehikeln. Zusätzlich kam es zur Verabschiedung von bislang fünf großen Nothilferettungspaketen und sechs Runden der finanziellen Lockerung (QE) durch die Zentralbanken.

Seit dem Ausbruch der Euro-Krise wurden mehr als ein Dutzend Krisentreffen mit Gipfelcharakter abgehalten, die zur Folge hatten, dass insolvente Regierungen mit kurzfristigen Finanzierungszusagen über das Discount Fenster der Europäischen Zentralbank ausgestattet wurden.

Langfristige Refinanzierungszusagen wurden den Banken der Region überdies durch die Europäische Zentralbank auf Basis des so genannten LTRO-Programms [Anm. Red.: Kredite mit einer Laufzeit von drei Jahren zu Minizinsen] gewährt. In dieser Zeit sind jedoch alle Aktien- und Bondmärkte der betreffenden Krisenländer weiter gefallen.

Hinzu kommt, dass die exzessive Verschuldung des gesamten Kontinents heute noch prekärer ist als jemals zuvor. Hieran sieht man sehr gut, dass Regierungen nicht präventiv handeln, sondern den sich zuspitzenden Ereignissen einfach nur hinterher hecheln. Den besten Rat, den man den geldpolitischen Entscheidern zum jetzigen Zeitpunkt geben kann, ist, diese sinnlosen Aktionen in Gänze zu stoppen. Und je eher, desto besser.

wirtschaftsfacts.de: Müssen sich europäische Sparer Sorgen um ihre Bankeinlagen machen?

Brian Whitmer: Kurzum gesagt, ja. Das heutige Mindestreserve-Bankwesen (Fractional Reserve Banking) basiert allein auf dem Vertrauen der Sparer in die Stabilität ihrer Finanzinstitute. Vertrauen ist ein hohes Gut und lässt sich aus diesem Grunde sehr leicht verspielen. In meiner neuesten Ausgabe des The European Financial Forecast zeige ich Charts zu Sichteinlagen (in der Art typischer Girokonten), die sich unter den Banken Südeuropas in den letzten Monaten mit hoher Geschwindigkeit reduzierten.

Während Konteninhaber damit fortfahren, ihr Geld von den Banken abzuziehen, sind Bank Runs in Griechenland schon zu etwas Alltäglichem geworden. Auf dieselbe Weise ziehen Sparer und Investoren nun panisch ihre Gelder von spanischen Banken ab. Diese Symptome werden sich verstärken, während sich die Kreditkonditionen im Gleichlauf mit der Entwicklung an den Aktienmärkten verschlechtern werden.

wirtschaftsfacts.de: Wie beurteilen Sie die Verfassung der Banken in den nördlichen Mitgliedsstaaten der Eurozone? Welche Gefahren drohen deutschen, französischen und niederländischen Instituten im Falle eines griechischen Austritts aus der Eurozone?

Brian Whitmer: Wenn die Börsen und Aktienmärkte in den nördlichen Mitgliedsstaaten erst einmal so aussehen werden wie ihre Pendants in der Südschiene, wird sich der Finanztumult dort in ähnlicher Weise abspielen. Manche Analysten sind der Meinung, dass deutsche und französische Banken besser aufgestellt sind, weil sie konservativer agierten, besser abgesichert seien und so weiter.

Für eine Handvoll dieser Institute mag das zutreffen, für die große Mehrheit jedoch nicht. Mit der Ausnahme von Schweizer Banken werden die Spareinlagen in den meisten Fällen lediglich durch heikle IOUs abgesichert, die ihren Wert verlieren oder gänzlich wertlos werden, wenn die Aktienmärkte abtauchen.

wirtschaftsfacts.de: Mit welchen Konsequenzen müsste die Wirtschaft der Vereinigten Staaten rechnen, wenn die Eurozone auseinander fallen sollte?

Brian Whitmer: Ich möchte mich an dieser Stelle wiederholen: unsere Modelle weisen darauf hin, dass externe Ereignisse (wie beispielsweise ein Währungszusammenbruch oder Staatsbankrotte) nicht die Fähigkeit besitzen, um Trends in der Wirtschaft oder an den Aktienmärkten zu prognostizieren. In der Realität findet das Ganze genau anders herum statt. Die Entwicklung an den Aktienmärkten liefert eine unvergleichliche Fähigkeit, externe Ereignisse vorherzusehen.

Dieser Forschungsbereich, der in der Expertensprach Sozioökonomie genannt wird, zeigt, dass der Aktienmarkt einer der wichtigsten Indikatoren für die Messung und Entwicklung der sozialen Stimmung in einer Gesellschaft ist. Wenn man weiß, in welche Richtung sich die soziale Stimmung in der Bevölkerung bewegt, sind Sozioökonomen durchaus dazu in der Lage, einige interessante Vorhersagen über eine weites Feld sozialer Trends anzustellen.

Im Hinblick auf Ihre Frage zur US-Wirtschaft könnte man eine Antwort wie folgt zusammenfassen: Das langfristige Wellenmuster des Dow Jones Index ist extrem negativ, was übersetzt nichts anderes bedeutet, als dass die US-Wirtschaft sich bereits am Rande eines weiteren historischen Abschwungs befindet. Diese Prognose ist allerdings in keiner Weise davon abhängig, was in der Eurozone geschehen wird.

wirtschaftsfacts.de: Könnte der Euro denn zu einer Rally ansetzen, falls Griechenland die Eurozone verlassen sollte?

Brian Whitmer: Sicher, der Euro könnte in eine Rallyphase übergehen – genauso könnte er aber auch weiter absacken. Die Märkte bewegen sich in Einklang mit einem internen Rhythmus. Manchmal im Gleichlauf mit fundamentalen Begebenheiten und zu anderen Zeiten entgegengesetzt. Schauen Sie sich doch einfach nur die wachsende Unsicherheit an den Märkten an, die sich vor den letzten Neuwahlen in Griechenland aufbaute.

Wer hätte denn in einem solchen Umfeld schon erwartet, dass der griechische Aktienmarkt ausgerechnet in dieser Phase zu einer Rally ansetzen würde? Doch griechische Aktien legten just in dieser Zeit um mehr als 20% zu. Im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung des Euro weist das langfristige Wellenmuster auf das Erreichen der Parität mit dem US-Dollar hin. Letztendlich wird es darüber hinaus jedoch auch zu einem Test des im Jahr 2000 ausgebildeten Tiefs bei 0,8228 Euro pro US-Dollar kommen.

wirtschaftsfacts.de: Gibt es andere wichtige Entwicklungen in der Welt – einmal abgesehen von den Ängsten über einen Zerfall der Eurozone – die Sie eine Wette auf weiter steigende Kurse des Greenbacks abschließen lassen würden?

Brian Whitmer: Ich überlasse die Fundamentalanalyse anderen. Unter Bezugnahme auf die Theorie der Elliott Wellen markierte der US-Dollar ein bedeutendes Tief im Jahr 2011 und befindet sich momentan in einer frühen Rallyphase eines neuen massiven Bullenmarkts. Die stärkste Phase des Kursanstiegs des Greenbacks steht uns erst noch bevor.

wirtschaftsfacts.de: Welche Vermögenswerte würden Sie Investoren zum Kauf empfehlen, falls die Welt in eine ausgewachsene Wirtschaftsdepression hinein schlittern sollte? Und wie tief könnte der Dow Jones Index in diesem Fall sinken? 

Brian Whitmer: Investoren sollten jetzt grob gesagt in sichere Anlagen investieren, wozu in erster Linie Barreserven auf Basis des US-Dollars und kurzfristige US-Regierungsobligationen zählen. Man sollte sein Konto oder Depot bei den global sichersten Banken unterhalten.

Neben dem US-Dollar sind wir auch vom Schweizer Franken, dem Singapur Dollar und dem neuseeländischen Dollar überzeugt, weil diese vier Papierwährungen die sicherste Art des Haltens von Barreserven in allen vier Winkeln dieser Erde darstellen.

Abschließend ein Wort zu unserer Preisprognose für den Dow Jones Index: Erinnern Sie sich an die im März 2009 ausgebildeten Tiefs? Wir werden sie ganz sicher wieder sehen.

wirtschaftsfacts.de: Wir bedanken uns bei Ihnen, Brian, und hoffen, dass wir bald wieder das Vergnügen haben werden.“

(1) http://www.elliottwave.com/press_room/press_kit/bios.aspx

(2) http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=20473#more-20473

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Über Regina Drescher

Absolventin der Humboldt- Universität Berlin 1984 als Diplom-Ingenieurin. Ausbildung als Betriebsleiter. Ein Semester angewandte Psychologie. Erfahrung als Sozialarbeiterin, Bereich Jugendclubs. Ausgestattet mit rationalem Denkvermögen und emotionalen Eigenschaften. Dies ermöglicht mir eine gewisse soziale Kompetenz und Liebe zur Natur, den respektvollen Umgang mit ihr und den Wunsch nach Schutz vor weiterer Zerstörung des Menschen für alle Lebewesen.
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