„Spiegel“ rudert – volle Kraft zurück

Das Magazin „Spiegel“ schreibt am 01.03.2012 zur Euro-Debatte:

„Heute wissen wir: Die Politische Union mit einer europäischen Zentralregierung ist eine Illusion. Auf absehbare Zeit, wenn jemals, wird es die Vereinigten Staaten von Europa, vergleichbar denen von Amerika, nicht geben. Nicht einmal eine Fiskalunion, von der derzeit so viel die Rede ist. „Ich erkenne keine Bereitschaft, maßgebliche Souveränität in finanzpolitischen Fragen abzugeben“, sagte kürzlich Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

Solch nüchterner Realismus tut gut in einer Zeit, in der europäische Rettungsschirme immer breiter gespannt werden; in der die Politiker für das bankrotte Griechenland ein zweites, gigantisches Rettungsprogramm durchziehen; in der Deutschland mit unvorstellbar großen Haftungsbeträgen seine eigene Zukunftsfähigkeit aufs Spiel setzt.

Europa muss einen radikalen Kurswechsel vollziehen

Der Euro ist ein Großexperiment, in dem sich (gegenwärtig) 17 Länder mit vielen Gemeinsamkeiten, aber auch mit viel Unterschiedlichem – Wirtschaft, Politik, Historie, Lebensweisen – eine gemeinsame Währung gaben. Entgegen manchen Erwartungen (auch meinen) sind diese Unterschiede im Lauf der Jahre nicht geringer geworden. Und es gibt leider auch keine Veranlassung zu erwarten, dass eine solche Annäherung in überschaubarer Zukunft erfolgen könnte.

Im Gegenteil: Die Globalisierung, die doch eigentlich auf dem Alten Kontinent für ein Aneinanderrücken sorgen sollte, löst allerorten Ängste aus und befördert den Rückzug ins regionale, vertraute Ambiente. Dass in einem solchen Umfeld Europas Völker bereit sein könnten, beispielsweise das Budgetrecht ihrer Parlamente an eine Brüsseler Instanz abzutreten, erscheint gänzlich unwahrscheinlich, mithin ist auch die Fiskalunion eine Schimäre.

Wenn dieser Befund zutrifft, wenn andererseits die gemeinsame Währung eine Zukunft haben soll, dann ist der Weg, den Europas Politiker zur Überwindung der Schuldenkrise eingeschlagen haben, eindeutig der falsche. Derzeit ist Euro-Europa munter dabei, politische Verantwortlichkeiten von den Nationalstaaten in ein gemeinschaftliches Irgendwo zu verschieben…“

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Über Regina Drescher

Absolventin der Humboldt- Universität Berlin 1984 als Diplom-Ingenieurin. Ausbildung als Betriebsleiter. Ein Semester angewandte Psychologie. Erfahrung als Sozialarbeiterin, Bereich Jugendclubs. Ausgestattet mit rationalem Denkvermögen und emotionalen Eigenschaften. Dies ermöglicht mir eine gewisse soziale Kompetenz und Liebe zur Natur, den respektvollen Umgang mit ihr und den Wunsch nach Schutz vor weiterer Zerstörung des Menschen für alle Lebewesen.
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